Regentropfen

Zwei Kerzen tauchen die weiße Wand in ein warmes Orange.
Lorde singt über jemanden, den sie eigentlich nicht lieben will,
während ich auf dem Bett liege und den Geruch von frischer Bettwäsche einatme.
Ich höre die Regentropfen an die Scheibe prasseln,
wie die Blätter der Bäume aus dem Innenhof rascheln
und das Wetter die Stadt um einige Dezibel leiser dreht.

Das Grau des Himmels öffnet den ruhigen Raum der Einkehr.
Denn eigentlich wäre heute Samstag.
Ein Samstag, an dem man nicht still steht.
An dem man sich in das Leben stürzt
und sich Stunden von der Nacht leiht, um den Tag zu verlängern.
Doch es regnet.

Die Tropfen begleiten meinen Tag und dimmen das Licht.
Gedanken türmen sich auf, sprechen mir zu.
Sie fragen mich, wie ich mich nicht sinnlos fühle und wo ich nun hingehe.
Aber ich gehe nirgendwo hin,
denn es regnet.
Und die Tropfen werden lauter.

Mir fällt wieder auf,
wie sehr wir damit beschäftigt sind, beschäftigt zu sein
und dabei die angenehme Ruhe aus unserem Alltag drängen.
Dass wir so viel Angst davor haben, etwas zu verpassen,
dass wir vergessen uns selbst zu begegnen.
Dass wir dabei ungeduldig auf das nächste Event warten,
Zusagen treffen, Kalendereinträge planen
und Countdowns setzen, nur damit wir unserem Sein Bedeutung schenken.
Aber es regnet und die Tropfen verwässern die Pläne

Also bleibe ich bei mir, fange an die Zeit zu genießen.
Mit mir.
Und meinen Gedanken, die immer noch laut sind-
doch je mehr ich hinhöre, desto ruhiger wird die Stimme in meinem Kopf.
Sie ist gar nicht gegen mich – wollte nur, dass ich sie beachte.

Während die Regentropfen die Rinnen am Haus füllen,
schaue ich nach Innen.
Die Leere, die ich heute morgen noch mit meinen Plänen füllen wollte,
wird von wohliger Wärme verdrängt.

Ich verstehe, dass Ruhe von Lärm kommt,
sowie das Dunkel vom Hellen.
Dass Wärme da ist, weil es schon mal kalt war
und wir im Außen sind, damit wir wieder einkehren.
Also fühle ich in mich hinein und sehe die Angst vor den Dingen.
Vor dem Alleinsein, dem Verpassen und dem Gedanken unbedeutsam zu sein.

Und vielleicht bin ich allein-
doch ich bin niemals einsam.
Ich verpasse das Außen- aber fühle mein Sein.
Und ich bin ich: das ist bedeutsam genug.

Darum bin ich dankbar.
Dankbar für die Regentropfen, die mir heute Ruhe schenken,
damit ich morgen den Lärm wieder spüren kann.

3 Antworten zu „Regentropfen“

  1. Anonym

    Schön!

  2. Deniz Hasenöhrl

    Sehr schön 🌱

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