Swipe

Ein Swipe nach rechts- und sie ist da. Die gelangweilte Neugier auf noch eine Person, die ich nicht kenne. Diese Oberflächlichkeit, die sich von ganz alleine in meinem Sein breitmacht.
Fast bemerke ich nicht, wie ich meinen Wunsch nach der Tiefe in Personen, durch die Hässlichkeit meiner Bewertung ersetze:

Sieht ganz nett aus, aber irgendwie mag ich die Hose nicht, die er trägt.
Sein Lächeln- ganz süß, aber finde den Fehler in der Art, wie er da steht. 

Ich scrolle durch sein Profil und setze das Bild eines Menschen, mit den kleinen Fragmenten aus Fotos und Sätzen zusammen.
Und weiß auf einmal jetzt schon, was er sagt, was er mag und was er mich fragt.
Die Vorstellung eines Treffens ödet mich an.
Meine Gedanken öden mich an.
Meine Gedanken- die so oberflächlich um Menschen kreisen und dabei ein Meer aus Gesichtern konsumieren. 

Der Konsum, der mich zwischen all den Swipes müde macht. Es ist der gleichgültige Versuch, die Leere mit dem kurzen Gefühl von Zuspruch eines Matches zu füllen, nur um dann weiter durch die Masse der Fotos zu wischen.
Denn  vielleicht wartet die schicksalhafte Fügung hinter dem nächsten Profil.
Und führt ein Chat dann doch zu einem Treffen, wird die Begegnung begleitet von der stillen Erwartung nach Mehr. Eine unausgesprochene Hoffnung auf Distanzlosigkeit, um dem inneren Bedürfnis von Nähe nachzukommen.
Gleichzeitig wird der Drang immer größer zu gehen-
denn der Konsum ist wie eine Droge: nach einem Date folgt das nächste Match und so vermischen sich die Geschichten, die Gesichter und die Tage zu einem Brei aus endloser Belanglosigkeit.

Und nun sitze ich hier, starre das Display an-
und fühle mich leer. 
Ich lösche die App,
denn ich kann das nicht mehr.

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