Der Barlärm wird leiser. Ein Windstoß wirbelt einen zerrissenen Flyer vor meinen Füßen auf. Die Dunkelheit taucht die Straßen in eine friedliche Kulisse.
Die Anzeige zeigt acht Minuten.
Acht Minuten und ich greife nach meiner Packung Marlboro Gold. Sie ist zerknickt. Zwei Zigaretten haben den Abend überlebt.
Die frische Nachtluft vermischt sich mit dem Rauch des ersten Zuges.
Leichter Schwindel mischt sich mit dem Nebel vom Alkohol in meinem Kopf, während ich eine Frau beobachte, die vertieft in ihr Smartphone tippt.
Ihre langen braunen Haare fallen elegant über ihre Schultern und umspielen ihre kleinen Tattoos.
Eine Schlange, ein Blitz und ein Auge.
Sie lacht, greift in ihre Tasche und zieht sich ihre Lippen mit rotem Stift nach. Sie wirft einen Blick in die Ferne und winkt. Ihre Gestalt wird kleiner.
Sieben Minuten. Ich schnipse die Asche ab.
Ich denke an vergangene Zeiten. Wo ich bereits war, wie sich mein Außen bis heute verändert hat und wer ich gerade bin.
Wer bin ich?
Ich komme zu keiner Antwort,
weiß nur, dass ich mich anders fühle.
Dass jede Entscheidung mich weiter dahin brachte,
die Schwere in mir abzulegen. War ich je freier als jetzt?
Sechs Minuten und meine Gedanken ziehen in die Nacht.
Zwei Personen steigen aus einer Bahn,
schwere Schritte kommen auf mich zu und bleiben stehen.
Ich warte auf das mulmige Gefühl, was ich stets empfand.
Dieses, was jede Frau kennt, weil wir uns nachts angreifbar fühlen. Aber alles, was ich fühle, ist innere Ruhe.
Und ich verliebe mich noch mehr.
In diese Stadt, die mir unter all den anderen Städten ein Gefühl von Heimat, Geborgenheit und gleichzeitig grenzenloser Freiheit gibt.
Fünf- mein Magen fängt an sich mit einem Ziehen bemerkbar zu machen. Hunger macht sich breit. Ich denke an „Italian Food Berlin“. Pasta drei Uhr morgens, frisch gekocht. In der Stadt die niemals schläft.
Vier. Ich blicke hoch und betrachte den Mond. Mit wie viel Ruhe er dort am Himmel verweilt, denke ich.
Er ist halb gefüllt. Ich überlege, wie oft ich dieses Bild betrachtet habe und wie viele verschiedene Gefühle ich dabei bereits empfand.
Verzweiflung. Sorgen. Angst.
Doch davon ist nichts mehr wahr.
Wärme breitet sich aus.
Drei. Massiver Altbau, Stuck verziert die Fenster. Jemand schließt das geöffnete Fenster. Das Licht geht aus.
Zwei, mein iPhone leuchtet auf. „Morgen See?“. Ich lächele.
Eins und Ich höre die Tram aus der Ferne. Ich inhaliere den letzten Zug meiner Kippe. Die Türen öffnen sich. Ich steige ein und verabschiede die Nacht.
Nächte

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